Visionäre  Architektur - 24 spektakuläre Neubauten in Deutschland

DOKUMENTATIONSHAUS
GEDENKSTÄTTE HINZERT

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Wie kann ein Ort des Schreckens in Architektur gefasst werden? Für das ehemalige SS-Lager Hinzert haben die Architekten für Dokumentation und Präsentation eine eigene, angemessene Sprache gefunden.

Beabsichtigt: Die Außenhaut rostet.
Beabsichtigt: Die Außenhaut rostet.
Zu den eindrücklichsten neueren Gedenkstätten, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern, gehört das Dokumentationshaus, das die Geschichte des »Arbeitserziehungslagers« bei Hinzert vermittelt. Dort waren zunächst Fremdarbeiter kaserniert, später gehörte der Ort zum System der Konzentrationslager.
Neben dem 1946 von der französischen Militärverwaltung eingerichteten Ehrenfriedhof platzierten die Architekten einen länglichen, polygonalen Baukörper, der durch seine »Haut« aus rostendem Cortenstahl in Beziehung zur Landschaft und zur Vegetation steht und nicht als Gebäude, sondern als erratischer Block vor Augen tritt. Die komplette Außenhaut ist aus dreieckigen Stahlplatten zusammengeschweißt und gleichzeitig Tragwerk. Die wenigen Fenster und Türöffnungen an den Langseiten wirken wie aus der Metallhaut gestanzt.

Das Dreiecks-Motiv setzt sich im Inneren fort.
Das Dreiecks-Motiv setzt sich im Inneren fort.
Eine besondere Aufgabe
Die große Öffnung an der Stirnseite, ein raumhoch verglastes Panoramafenster, gibt den Blick auf das ehemalige Lagergelände frei. Ein transparentes Großfoto überlagert den Ausblick auf die unauffällige Wiese und vermittelt die Vorstellung von den Baracken und Stacheldrahtzäunen, die einst dort gestanden haben. Ein großer Ausstellungsraum beherbergt die Dokumentation über das Lager, ergänzt um einen Seminarraum, Büro und Nebenräume, die ebenso wie alle Technik in dem Raum zwischen Außen- und Innenwand verborgen sind. Die Innenwand führt das Thema der in Dreiecke aufgelösten Außenwand fort. Hier sind es trianguläre Birkenfurnierplatten, die eine fragmentierte Oberfläche bilden. Bedruckt mit Texten und Faksimiles von Dokumenten, dienen sie als Informationsträger. Einige eingelassene Vitrinen zeigen die wenigen erhaltenen Originaldokumente. Die besondere Aufgabe hat hier zu einer besonderen Form gefunden: keine sprechende Architektur, keine Simulation oder Rekonstruktion, sondern eine Bauskulptur mit einem atmosphärisch ungewöhnlichen Innenraum, der den Besucher vorbereitet und einstimmt auf eine Erfahrung, die ihn verstört und niemanden unberührt lässt.

Architekten: Wandel Hoefer Lorch + Hirsch, Saarbrücken
Eröffnung: 2005
Lage: An der Gedenkstätte, 55421 Hinzert-Pölert
 49°41'56.88"N/6°53'35.18"E 
Erreichbar: nur mit Pkw via A1 Koblenz–Saarbrücken, Ausfahrt Rheinsfeld 
Öffnungszeiten: Di.–Fr. 9.00–13.00 u. 14.00–17.00, Sa. u. So. 14.00–17.00 Uhr
Auskunft: www.politische-bildung.rlp.de/hinzert.html
 
Bildnachweis: Gedenkstätte Hinzert


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